Über die Entstehung der Folge „Ekelquartett“ oder: Was das Entwerfen von Comics mit Wein zu tun hat (2. Teil)

Ende April habe ich die Entwürfe wieder aus der Schublade geholt, habe sie gesichtet, zur Seite gelegt und dann ein drittes Szenario für die Geschichte entworfen.

Ekelquartett Historie - 4Auch in diesem Szenario spielt der Papa noch mit. Er hat nicht wirklich Ahnung von dem Spiel. Das Spiel ist ihm auch etwas suspekt, wie sein Kommentar im fünften Bild („Räusper. Ähem. Schweissbonbon.“) und die verschämte Geste, mit der er die Spielkarte in die Mitte schiebt, verdeutlichen soll.

Man kann ferner erkennen, wie ich an den Bewegungen arbeite, mit denen Toni & Charlie die Karten auf den Tisch knallen. In der letzten Bildzeile steigert sich das Tempo. Besonders gut gefiel mir das Bild, in dem Charlie gewinnt und dabei einen Freudensprung macht. Die Körperhaltung fand ich überzeugend. Im letzten Bild fragt Papa, wieso sie denn gewonnen habe. Toni vergräbt ihren Kopf in den Armen (wie Kinder das gern tun, wenn sie grummelig sind) und erklärt es dem Papa.

Insgesamt fehlte dieser Variante das Tempo. Erst im fünften Bild, also am Ende der dritten Bildzeile, wirft Papa seine erste Karte ab. Dafür passiert die meiste Action in der letzten Bildzeile. Ferner hätte es dazu drei Bilder in der letzten Zeile benötigt und mangels Platz wäre wohl Charlie im letzten Bild nicht mehr zu sehen gewesen. Darüber hinaus konnte ich die Nahaufnahme der Spielkarten nicht unterbringen.

Und so folgte Variante 4.

Zurück zu den Wurzeln. Hier wird mit einem Close-Up auf die Spielkarten gestartet.

Ekelquartett Historie - 5Hier wird die erste Spielkarte gleich im zweiten Bild abgeworfen. In den folgenden Bildern geht es Schlag auf Schlag. Dadurch wurde die Story flüssiger. Ausserdem hat mich nochmal die Muse geküsst, mit dem Ergebnis, dass ich den Gag bereits im letzten Bild der dritten Bildzeile auflöse und für die vierte Bildzeile eine neue Idee habe. Dort lasse ich ich Toni & Charlie abklatschen.

Ach ja, und der Papa wurde dem Erzählfluss geopfert. Zack, weg war er. So schnell geht das. Er taucht nur noch Charlies Vorschlag auf, den Papa für eine weitere Runde zu holen. (Ich hatte dem Papa dabei unterstellt, dass er die Idee ganz und gar nicht gut finden würde…)

Bingo! Jetzt hatte ich das Gefühl, die Geschichte ist rund.

Am Ende habe ich allerdings auch das Abklatschen fallen gelassen und die Figuren so angeordnet, wie sie in der finalen Folge zu sehen sind. Da beide Mädchen Rechtshänder sind, fand ich es schwierig, sie so im Bild zu positionieren, ohne dass durch die Geste des Abklatschens dabei eines der Gesichter verdeckt worden wäre.

Die Folge Ekelquartett hat mir gezeigt, dass Geschichten reifen müssen – so wie ein guter Wein.

Eine Grundidee ist da, die Geschichte ist aber noch nicht rund. Man muss sich fragen, wie man die Geschichte zum Höhepunkt treibt. Über’s Knie brechen bringt da gar nichts.

Im Zweifelsfalle hilft es, die Geschichte beiseite zu legen 🙂

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