Über die Entstehung der Folge „Ekelquartett“ oder: Was das Entwerfen von Comics mit Wein zu tun hat (1. Teil)

Die Folge Ekelquartett hat mir beim Zeichnen viel Spass bereitet und ich hoffe, meinen Lesern hat sie, den schmutzigen Wörtern ungeachtet, ebenso gefallen.

Sehe ich mir die finale Folge an, so stelle ich fest, dass die Grundidee ab dem ersten Entwurf erhalten geblieben ist. Die Folge selbst hat aber eine ganze Reihe von Wandlungen erfahren, von denen der Leser natürlich gar nichts mitbekommt. Das Schreiben eines Szenarios (sozusagen eines Drehbuchs) für eine Folge Toni & Charlie ist ein kreativer Prozess. Es hat viel mit Nachdenken, dem Auskosten von Gags auf der Zunge, mit Kaffee (in meinem Falle Espresso) und mit Schokolade zu tun. Und natürlich nötige ich auch meine Familie, mir Feedback zu geben. Was sie – nach erfolgter Nötigung – zumeist auch gerne tun.

Also dachte ich, ich lasse meine Leser mal teilhaben an der Entstehung der Folge Ekelquartett.

Am Anfang stand tatsächlich ein Wort, das im Familienkreis gefallen ist. Ich glaube, am Anfang das Pipi-Eis, das eines der Kinder nannte und sich darüber köstlich amüsiert hat. Ich war sofort elektrisiert, denn mir gefiel das Wort. Wir fingen an, herumzualbern und natürlich wurde es immer ekliger. Das Pipi-Eis habe ich mir dann aber notiert – zwecks späterer Verwendung. Das war November 2015.

Ekelquartett Historie - 1

Im Februar 2016 habe ich diese Idee wieder hervorgeholt und ein erstes Szenario dazu entworfen. Die Grundidee ist wie gesagt schon da, die Geschichte läuft aber etwas anders ab. Der Leser sieht, wie Toni & Charlie mit den Karten zocken. Das letzte Bild zeigt den Papa mit herausgestreckter Zunge, der sich Spielkarten ansieht und den die Vorstellung ekelt, dass es ein solches Quartett geben könnte. Toni & Charlie stehen mit ihren Filzstiften stolz daneben. Sie präsentieren ihrem Papa stolz das von ihnen selbst gestaltete Quartett. Eigentlich wollen sie jetzt ein Lob hören. Ob sie das angesichts Papas herausgestreckter Zunge bekommen, darf bezweifelt werden.

Ekelquartett Historie - 2

Den ersten Entwurf habe ich ihm im Rahmen eines Comic-Zeichenkurses mit mawil angefertigt. Mawil gefiel die Idee gut, allerdings mochte er die Auflösung des Gags im letzten Panel nicht. Auch der Umstand, dass die oberen drei Reihen als Denkwolke markiert war (und also alles in der Fantasie des Papas ablief), fand er für den Leser nicht so einfach nachzuvollziehen. Ihm schien es aus Sicht der Geschichte stringenter, wenn der Papa statt dessen mitspielen würde.

Ich war etwas enttäuscht, denn ich fand meinen Gag super. Aber natürlich hatte er mit seiner Anmerkung schon auch Recht. Und hey, der Mann hat schon Bücher publiziert, er weiss also, wovon er redet, oder?

Also habe ich einen weiteren, schnellen Entwurf angefertigt. Der neue Entwurf zeigt im ersten Panel, wie Charlie durch die Tür lugt und Papa dazu einlädt, eine Runde Ekelquartett mitzuspielen. Wieder wird ordentlich gezockt, die Auflösung des Gags ist dann eine andere. Charlie kloppt die Karte hin, gewinnt, und der Papa versteht gar nicht, warum das Spiel nun plötzlich zu Ende ist.

Ekelquartett Historie - 3

Dieses Mal war ich allerdings mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden. Hauptsächlich, weil mir nun das Bild fehlte, auf dem der Leser eingangs die Spielkarten in der Totale sehen kann. Ich fand, das war wichtig für die Story. Also habe ich die Entwürfe mit nach Hause genommen und sie in meiner Schublade für Ideen verschwinden lassen, wo sie für weitere zwei Monate reiften, bevor ich mich erneut an das Szenario heran wagte.

Nächste Woche könnt Ihr lesen, wie es mit der Folge dann weitergegangen ist. Bis dahin – bleibt gesund und teilen nicht vergessen 🙂

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